Wie erziehe ich einen Autisten?
- Sarah

- 27. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Wie erziehe ich einen Autisten?
Ich würde gerne schreiben, dass es einfach ist, aber das ist es nicht.
Wir haben zwei autistische Kinder, und beide sind so verschieden, wie Kinder eben nur verschieden sein können.
Der eine ist sehr aufbrausend, unklar in seinem Verhalten und schnell aggressiv – ein typisches autistisches Kind mit PDA-Profil. Der andere hält sich penibel an Regeln, ist sehr klar in seinem Verhalten und hat ein ruhiges Gemüt.
Die Erziehungsmethode, die bei einem Kind funktioniert, funktioniert beim anderen nicht. Man muss seinen eigenen Weg finden.
Aber eines haben alle gemeinsam: sie brauchen feste Grenzen. Keine flexiblen Grenzen. Ausnahmen funktionieren bei autistischen Kindern nicht.
Aber wie erziehe ich einen Autisten? Wie setze ich die Grenzen?
So setze ich Grenzen bei einem Autisten!
Sortieren
Zunächst musst du dir selbst ehrlich die Frage stellen, wo es gerade hapert. Was kann dein Kind gut, was weniger gut? Was ist in Ordnung und was muss sich ganz dringend ändern? Schau erst einmal nur auf euer Zuhause und schreibe dir alles auf, ohne rational zu denken.
Im nächsten Schritt sortierst du deine Gedanken. Was ist jetzt akut wichtig? (z. B. Aggression gegenüber einem Geschwisterkind)
Hintergrund verstehen
Diesen Schritt können wir nicht auslassen, denn er ist wichtig für das weitere Vorgehen. Wir bleiben beim Beispiel der Aggression gegenüber einem Geschwisterkind. Kannst du dir vorstellen, wieso dein Kind so reagiert? In welchen Situationen tritt es auf? Ist es ein Meltdown oder doch ein normaler Entwicklungsschritt?
Konsequenzen festlegen
Konsequenzen sind keine Strafen, sondern vorhersehbare Reaktionen auf fehlerhaftes Verhalten. Sie werden mit deinem Kind besprochen, sodass es weiß, was auf es zukommt, wenn es eine bestimmte Verhaltensweise zeigt.
Sie sind immer gleich und werden nicht aus dem Affekt heraus durchgesetzt.
Keine Angst vor (nicht) logischen Konsequenzen
Der aktuelle Erziehungstrend liegt bei bedürfnisorientierter Erziehung und logischen Konsequenzen. Dies wird durch soziale Medien so gehypt, dass man sich kaum traut, etwas dagegen zu sagen.
Deshalb sage ich es dir jetzt klar und deutlich:
Auch nicht-logische Konsequenzen funktionieren bei Kindern super gut! Was habe ich mich gequält, mein Kind mit logischen Konsequenzen zu erziehen – und bin dennoch auf die Nase gefallen.
Also sind wir einen Schritt zurückgegangen. Nicht alles, was unsere Eltern getan haben, war komplett falsch und muss überarbeitet werden.
Bei uns klappt Medienverbot wunderbar. Beschimpfungen, Beleidigungen, körperliche Gewalt und Gewalt gegen Gegenstände ziehen ein sofortiges Medienverbot für den laufenden Tag nach sich. Ist es bereits abends oder hören sie nicht auf – dann gilt es für den nächsten Tag.
Und siehe da: Nach zweimaligem Medienverbot höre ich in meinem Haus keine Wörter wie „Hure“ oder „Du Arsch“ mehr. Ich werde von meinem Kind nicht mehr angeschrien, und die Stimmung ist allgemein so viel ruhiger geworden.
Medienverbot ist keine Strafe, sondern eine Konsequenz. Meine Kinder wissen, wie sie sich benehmen müssen, und sie können es auch. Können sie es nicht, folgt eine vorher festgelegte Konsequenz. Und zwar IMMER. Ohne Ausnahme.
Keine Diskussionen
Lass dich nicht auf Diskussionen ein. Dein Kind kennt die Konsequenz und wird die ersten Male versuchen, sich herauszureden. Sätze wie „Ich konnte nicht anders, ich war wütend!“ oder „Aber ich habe doch das Toastbrot beleidigt und nicht dich“ werden kommen. Bleibe konsequent. Diskutiere nicht. Sage ruhig und sachlich: „Wir haben das besprochen, die Konsequenz bleibt.“
Dein Kind kann weinen und wütend werden – halte durch! Bleibe standhaft, nur so kann sich etwas verändern.
Aber er kann doch nicht anders
Doch. Mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen. Auch ein autistisches Kind muss lernen, andere nicht zu verletzen. Auch ein autistisches Kind kann erzogen werden.
Es darf wütend sein. Es darf überreizt sein. Es darf explodieren. Aber es darf die Grenzen anderer nicht überschreiten.
Wir können natürlich liebevoll begleiten und darauf hoffen, dass es durch Therapien etc. lernt, seine Wut anders zu kanalisieren. Aber wir können das Ganze auch unterstützen, indem wir dem Kind Grenzen zeigen.
Zeige deinem Kind, wie es die Wut anders rauslassen kann. Hänge einen Boxsack auf oder gib ihm Bälle zum Treten. Komplett alleine lassen können wir es nicht, aber wir können ihm Grenzen aufzeigen und Alternativen bieten.
Meltdown
In einem richtigen Meltdown kann man manchmal nur sich selbst und andere schützen. Während eines Meltdowns kann man nicht erziehen. Bitte unterscheide das von anderen Verhaltensweisen. In einem Meltdown kann dein Kind nicht anders. Es schreit, blockiert und braucht Rückzug.
Hänge die Regeln auf
Hänge die neuen Regeln an einen zentralen Punkt. Wir haben unsere am Kühlschrank hängen. Schreibe sie nicht zu umfangreich und kompliziert auf, sondern kurz und knackig, aber dennoch detailliert (z. B. statt „körperliche Gewalt ist verboten“ lieber „Hauen, Kratzen, Beißen, Treten sind verboten“). Die Kinder können es immer wieder nachlesen.
Wenn du das Gefühl hast, die neuen Regeln werden eingehalten, kannst du nach und nach neue hinzufügen. Pass auf, dass du dein Kind nicht mit zu vielen Regeln überforderst. Das Wichtigste ist ein funktionierendes Zusammenleben. Alles, was dann folgt – wie z. B. den Tisch abräumen oder Müll rausbringen – ist Bonus!
Erziehung eines autistischen Kindes genießen
Seit wir dies zu Hause wirklich konsequent durchziehen, ist es so viel entspannter geworden. Die Grenzen wurden klar definiert, und ich will es nicht beschwören – aber ich kann die Erziehung endlich wieder genießen. Ich laufe nicht mehr auf rohen Eiern, und das Leben ist so viel klarer geworden.
Erziehung eines autistischen Kindes mit PDA Profil
Mein Sohn hat das PDA-Profil. Er hat starke Angst vor Kontrollverlust und muss deshalb immer das Gefühl haben, doch noch ein bisschen die Oberhand zu haben.
Aber er muss sich trotzdem an Regeln halten. Er muss trotzdem die Grenzen anderer wahren.
Er hat die Konsequenzen mit erarbeitet und sie an den Kühlschrank gehängt. Wir haben ihn nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt, sondern in die richtige Richtung gelenkt, damit er das Gefühl hat, mitentscheiden zu dürfen.
Lob und Kritik bei autistischen Kindern
Lobe so oft wie möglich positives Verhalten und ignoriere Fehlerhaftes......oder etwa doch nicht?
Mehr dazu erfährst du in meinem nächsten Blogartikel.
Hast du Fragen oder Anregungen, schreibe mir gerne.
Eure Sarah




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