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Es liegt an der Erziehung, nicht am Autismus

  • Autorenbild: Sarah
    Sarah
  • 14. März
  • 3 Min. Lesezeit

Bestimmt haben einige von euch diesen Satz auch schon gehört: "Es liegt an der Erziehung, nicht am Autismus!" und können es mir nachempfinden- es ist zum Haare raufen. Es fühlt sich so unfassbar unfair an.


Wir haben so viel zu tragen

Am Anfang sind das die Selbstzweifel, weil das Kind anders ist als andere. Es reagiert vielleicht nicht regelkonform oder ist respektlos gegenüber Erwachsenen. Wir fragen uns, was wir falsch gemacht haben. Waren wir zu sanft? Zu streng?

Dann kommt die erlösende Diagnose und wir fangen an uns damit zu beschäftigen. Vieles wird auf einmal so klar und lässt sich gut erklären. Wir lernen mit unserem Kind umzugehen und ihm zu helfen. Verändern unseren Tagesablauf, strukturieren alles mögliche und finden endlich einen halbwegs passenden Weg für uns. Wir geben so viel, dass die herabwürdigenden Aussagen und Blicke wirklich weh tun.


Wenn man Glück hat, gehen die Lehrer den Weg mit. Unterstützen und ergänzen. Leider aber nicht immer.


Wir Eltern haben Schuld

Bei uns war es so, dass der Lehrer meines Großen mit der Diagnose nicht mitging. Vorher war er sehr sensibel und reagierte entspannt und unaufgeregt auf mein Kind, hat ihn super integriert und individuell gefördert.

Mit der Diagnose wurde alles anders. Er wollte ihn in keine Schublade stecken und merkte nicht, dass er genau das tat- nur in die andere Richtung. Denn er verweigerte gesonderte Hilfe, zog die Grenzen härter und behandelte ihn genauso wie alle anderen Kinder auch.

Sätze wie: "Er bekommt keine Extrawürste!", "Er muss sich genauso an die Regeln halten, wie die anderen!", "Es liegt an der Erziehung, nicht am Autismus!" und "Ja, vielleicht ist da auch irgendwo Autismus mit drin." vielen uns um die Ohren.

Von einem Moment auf den nächsten waren WIR Schuld an seinem Verhalten. Schuld an seinen Ausrastern und Schuld an seinem respektlosen Verhalten in der Schule. "Es ist alles Erziehungssache!" ist eine Ohrfeige für alle Eltern autistischer Kinder, die so viel tun damit es funktioniert.

Natürlich muss er sich an Regeln halten, darum geht es nicht- aber er benötigt Hilfe dabei. Er kann sich nicht an Regeln halten, wenn das Setting nicht stimmt. Aber das wird nicht gesehen. Gesehen wird nur, dass er alle anderen Kinder damit ansteckt. Deshalb wird er bestraft, damit die anderen Kinder ihm nicht nachmachen. Wo bleibt da die Gerechtigkeit für mein Kind? Einem Rollstuhlfahrer würde man auch nicht die Treppe hochschicken, nur damit die anderen Kinder nicht auf die Idee kommen mit dem Aufzug zu fahren.


Das Interessante an der Sache- Zu Hause funktionierte es, nur in der Schule nicht!

In der Schule mit all den Erwartungen und dem Unbekannten.


Es gab keine Vertretungspläne, keinen festen Stundenplan, keinen geregelten Ablauf. "Ihr müsst ihm Mut zusprechen, damit er weiß- egal wie der Ablauf ist, in der Schule ist er sicher.", "Für das Hineinbringen seid ihr zuständig, wenn er wieder rausläuft ist das eure Schuld.", "Ihr dürft ihn nicht zum Klassenraum bringen, ihr macht Rückschritte.", "Er muss mir in die Augen schauen, kann er doch sonst auch!", "Er ist unbeschulbar, wir müssen ihn härter anpacken.".....


Wir haben schon so viel gehört und der Tenor ist immer der gleiche- wir Eltern sind Schuld an dem Verhalten des Kindes.

Ich weiß, dass es nicht so ist, aber es ist unglaublich schwer jeden morgen in eine Schule zu gehen und von Lehrern angeguckt zu werden, als wäre man die Assimutti hoch 10. Es tut weh so verurteilt zu werden.


Zum Glück haben wir mit unserem zweiten Sohn andere Erfahrungen gemacht. Er hat einen tollen Klassenlehrer, der auf ihn eingeht und ihn sieht, wie er ist. Er hilft wo er kann und geht mit meinem Sohn sehr einfühlsam um.


Der Große wechselt zum neuen Schuljahr die Schule, aber es bleibt der bittere Beigeschmack und die Angst, dass es an der anderen Schule genauso wird.


Mir sagte eine Mutter, dass es bei ihrem Kind an der zweiten Schule besser war, weil die Lehrer das Kind nur mit Diagnose kennen lernen und diese besser annehmen konnten.



Ich hoffe sehr darauf. Wie war es bei euch?



Eure Sarah

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