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Meltdown nach der Schule

  • Autorenbild: Sarah
    Sarah
  • 19. März
  • 3 Min. Lesezeit

Wir sind jeden Tag aufs Neue erleichtert, wenn die Kinder die Schule geschafft haben und es keine negativen Rückmeldungen gab.Gerade beim Großen ist das keine Selbstverständlichkeit. Er strengt sich wirklich an, sich in der Schule zu benehmen, aber scheitert leider oft an Kleinigkeiten.

Wenn ein Lehrer krank ist und die Klasse aufgeteilt wird, wenn etwas wörtlich genommen wird, wenn eine unerwartete Aktion ansteht – dann denkt niemand an ihn. Er wirkt so „normal“, dass alle davon ausgehen, er schaffe das schon. Wenn er dann wütend wird oder ausfällt, heißt es schnell: „Das ist Erziehungssache.“Aber eigentlich möchte ich über das sprechen, was danach passiert: den Meltdown nach der Schule.


Der tägliche Zusammenbruch nach der Schule

Ich gehe davon aus, dass ich nicht erklären muss, was ein Meltdown ist. Wenn du hier gelandet bist, kennst du das vermutlich nur zu gut.

Mein Großer schafft es meistens noch bis nach Hause, bevor er zusammenbricht. eAber wir hatten auch schon Situationen, in denen er im Schulflur oder im Auto explodiert ist. Das war nicht schön – deshalb haben wir die Reihenfolge beim Abholen angepasst.

Zu Hause haben die Kinder zuerst eine Stunde Medienzeit zum Runterkommen. Doch wenn er schon sehr überreizt ist, hilft selbst das nicht mehr. Er schafft es bis zum Fernseher oder Tablet, und wenn dann nur eine Kleinigkeit nicht funktioniert – die Hose kratzt, die Sonne blendet, der Geruch ist anders – dann schreit er los. Dann schreit er einfach all den Stress heraus, der sich über den Tag angesammelt hat.

Ich sitze abrufbereit in der Küche, aber in solchen Momenten darf man nicht ins Zimmer gehen. Wenn er Hilfe braucht, komme ich natürlich. Aber wenn die Medien laufen und er anfängt zu schreien, dann braucht er mich nicht – dann will er mich nicht.

Die Nachbarn müssen sonst was denken. Manchmal muss ich sogar schmunzeln. Wie viel muss sich angestaut haben, dass dieses Kind so einen Ausbruch hat? Was kann man anders machen? Wie kann man den Übergang besser gestalten?


Was uns geholfen hat dem Meltdown nach der Schule zu entkommen

Wir haben uns entschieden, sein Zimmer schon vor unserer Rückkehr vorzubereiten:

  • abgedunkelt

  • gelüftet

  • Medium bereit

  • kleiner Snack

  • ruhige Atmosphäre

Auf dem Heimweg gibt es einen Müsliriegel, und für Notfälle habe ich Kopfhörer und sein Handy dabei. Es fühlt sich manchmal an, als würde man einen kleinen Prinzen bedienen – aber tatsächlich war das ein Gamechanger.

Wenn der Wutausbruch schon in der Schule passiert, schicke ich ihn raus. Ich muss meistens noch auf den Bruder warten. Anfangs wollte er nicht alleine rausgehen, aber inzwischen klappt das gut. Natürlich werden wir komisch angeschaut, wenn er draußen losbrüllt, aber mit der Zeit entwickelt man eine Haltung, bei der es einem egal wird.

Es ist viel Arbeit, und auch ich tue mich manchmal noch schwer damit. Aber der Austausch mit anderen betroffenen Eltern ist unglaublich hilfreich. Es tut gut, sich auszutauschen – wirklich. Alle haben ähnliche Situationen zu meistern und unterstützen sich gegenseitig.


Warum Übergänge so schwierig sind – und wie man sie gestalten kann

Kinder mit Autismus, ADHS oder sensorischer Überempfindlichkeit haben häufig Schwierigkeiten mit Transitions, also Übergängen zwischen Aktivitäten oder Orten. Diese Übergänge bedeuten:

  • neue Anforderungen

  • neue Reize

  • Kontrollverlust

  • Unsicherheit

  • Unterbrechung von Routinen

Das Gehirn dieser Kinder braucht deutlich länger, um von einem Zustand in den nächsten zu wechseln. Nach der Schule sind viele bereits sensorisch überlastet, emotional erschöpft und kognitiv „leer“. Ein Meltdown ist dann kein Trotz, sondern eine neurologische Überforderung.


Was nachweislich hilft:

  • Vorhersehbare Routinen

    Klare Abläufe reduzieren Stress und geben Sicherheit.

  • Visuelle oder verbale Vorbereitung

    Kurze Hinweise wie „In fünf Minuten gehen wir los“ helfen dem Gehirn, sich umzustellen.

  • Sensorische Entlastung

    Dunkelheit, Ruhe, Snacks, Kopfhörer oder Rückzugsorte helfen, Reize zu reduzieren.

  • Pufferzeiten

    Kinder brauchen Zeit, um von „Schulmodus“ in „Zuhause-Modus“ zu wechseln.

  • Co-Regulation statt Intervention

    In Meltdown-Phasen hilft Nähe auf Distanz: präsent sein, aber nicht überfordern.


    Fazit

    Übergänge sind für viele Kinder eine enorme Herausforderung – besonders nach einem Schultag voller Reize, Erwartungen und sozialer Anforderungen. Ein Meltdown ist kein Fehlverhalten, sondern ein Zeichen dafür, wie viel Kraft sie aufbringen, um „funktionieren“ zu können.

    Indem wir den Übergang nach Hause bewusst gestalten, ihnen Rückzug ermöglichen und ihre Bedürfnisse ernst nehmen, helfen wir ihnen, wieder in Balance zu kommen. Es ist anstrengend, manchmal frustrierend und oft emotional – aber es lohnt sich. Und niemand muss diesen Weg allein gehen. Der Austausch mit anderen Eltern zeigt: Wir sitzen alle im selben Boot, und gemeinsam wird es leichter.



Eure Sarah


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